Das Modell konstruktiver Diskursführung

In Diskussionen, im besonderen Maß in online in Chats, sozialen Medien und so weiter herrscht oft ein rauher Ton, es wird unangemessen argumentiert oder gar nicht argumentiert, man kommt zu keinem Ergebnis, zu keinem Ziel und zu negativen Emotionen. Es kommt auch oft zu Konflikten und konstruktiver Umgang verschwindet.

Selbst wenn es nur ein geringer Prozentsatz der Teilnehmer ist, reicht das schon, um die Kommunikation zu vergiften und Menschen mit dem Bedürfnis nach respektvollen Umgang oder Erreichung von Zielen zu vertreiben.

Für diese Themen bietet das Modell konstruktive Diskursführung eine Lösung an. Es baut auf auf dem von Paul Graham dankenswerterweise entwickelten Modell „Hierarchie der nicht Übereinstimmung“. Es wurde jedoch ergänzt um Lösungsorientierung und vor allem auch um die Auflistung in der Praxis vorkommender destruktive Kommunikationsstrategien, die man damit erkennen und auch unterbinden kann.

Hier finden Sie die Veröffentlichung, Sie können dieses Modell und die Informationen frei verwenden.

Weiter unten finden Sie eine Anleitung, wie Sie das Modell zur Moderation verwenden können.

Modell konstruktiver Diskursführung

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Vereinfachtes Modell konstruktiver Diskursführung

Ob eine Methode oder ein Modell angemeldet wird, hängt oft davon ab, wie leicht verständlich und einfach anwendbar es ist. Deshalb habe ich ein vereinfachtes Modell entwickelt, das nur aus drei Grundprinzipien besteht.

Das vereinfachte Modell ist inhaltlich nicht hinreichend aber leicht verständlich:

„Ampel“-Farben

Die Vereinfachung definiert zugleich die Bedeutung der drei Farben der Ampel, grün, gelb und rot im Modell.

Vereinfachtes Modell konstruktiver Diskursführung

Vereinfachtes Modell konstruktiver Diskursführung – Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.

Diskurs, Konflikte und das Modell

Wir können das in einem 1:1 Gespräch oder in Gruppen nutzen. Wenn wir beschließen und durchsetzen, dass möglichst nur die oberste Argumentationsformen zu nutzen sind und alle unteren Stufen unterbunden werden, dann schaffen wir es in den meisten Fällen auch, Eskalationen zu vermeiden. Und vor allem werden Diskussionen versachlicht und effektiver, weil es um das Essentielle geht und nicht um ablenkende Themen und zeitfressende Konflikte (Eskalation, aber auch Moderation, Schlichtung usw.).

Wenn Sie also in einen Konflikt geraten, können Sie die schädlichen Ebenen bewusst ansprechen und vorschlagen, die sinnvollen Stufen zu nutzen. Bestehen Sie auf eine sinnhafte und respektvolle Argumentation.

Wenn Sie dies mit den Prinzipien des Harvard-Modells kombinieren – also Problem und Mensch trennen, Ziele statt Positionen in den Mittelpunkt stellen, in Lösungsoptionen denken und klare Kriterien für diese Lösungen anwenden –, besteht eine gute Chance, dass auch bei stark unterschiedlichen Meinungen gut kommuniziert wird.

Dieses Modell ist auch sehr gut zur Reglementierung in Foren und Social Media geeignet. Es eignet sich auch für Situationen, in denen es Parteien in der Kommunikation gibt, die bewusst eskalieren. Dazu erfahren Sie mehr im Kapitel Bewusste Eskalation und wie Sie dagegen vorgehen.

Mit dem Modell konstruktiver Diskursführung kann zielführende Kommunikation sogar dann stattfinden, wenn eine hohe Eskalationsstufe erreicht ist, in der laut Glasl eine Rückführung des Konflikts kaum mehr möglich ist (siehe Modelle für Eskalation und Deeskalation nutzen).

Neben den schadhaften Kommunikationsmethoden gibt es natürlich auch andere destruktive Verhaltensmöglichkeiten, zum Beispiel Themen aussitzen, blockieren, sabotieren. Diese kommen in diesem Modell nicht vor, was seinem Zweck entspricht. Aber es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein.

Ein Maskieren von eigentlichen Konfliktursachen (z.B. persönliche Differenzen) durch vorgeschobene Sachargumente ist ein Grenzfall, der aber auch weitgehend durch das Modell abgefangen wird (beispielsweise Überhöhung der Bedeutung von Unwichtigem).

Beispiele von schadhafter Konflikt-Kommunikation

Aus einem Online Forum:

  • User A: „Du hast ja keine Ahnung, du bist einfach zu dumm, um das Thema zu verstehen.“(Stufe: persönlicher Angriff, Beleidigung)
  • User B: „Das magst du so sehen. Mir geht es aber nicht um meine Person, sondern um den Punkt: Welche Daten zeigen wirklich einen Rückgang?“(Stufe: Widerlegung des Arguments)
  • User A: „Na gut, ich meinte die Zahlen aus der OECD-Studie.“

Oft ist das Gegenüber nicht gleich so einsichtig. Ein Moderator könnte in so einem Fall aber User A ermahnen oder wenn so etwas wiederholt passiert, solche Posts gleich löschen. Diese Beiträge tragen nichts zur Sachdiskussion bei, schädigen die Emotionslage und kosten den Mitlesenden unnötig Zeit.

In diesem Beispiel ignoriert User B den Angriff auf die Person und bringt das Gespräch gezielt zurück zur Sachebene. Damit „steigt“ er auf der Disagreement-Leiter ein paar Stufen höher – vom Angriff → zur Auseinandersetzung mit den Argumenten. Wenn alle so agieren, findet keine Eskalation statt.

Aus Social Media:

  • Post: „Wir sollten über Maßnahmen gegen Plastikmüll sprechen – die Ozeane sind voller Abfall.“
  • Kommentar 1: „Und was ist mit all dem Elektroschrott? Warum redet ihr nie darüber? Und letztes Jahr habt Ihr noch das Thema Feinstaub gehabt und auch nichts zustande gebracht.“  (→ Whataboutism)
  • Kommentar 2: „Ihr macht das doch nur, um euch moralisch überlegen zu fühlen oder weil Euch die Recycling-Lobby bezahlt.“(→ Unterstellung niederer Motive, Unbelegte & falsche Behauptungen)
  • Antwort: „Beides sind wichtige Themen. In diesem Thread möchte ich beim Plastik und in der Gegenwart bleiben – welche konkreten Schritte wären aus deiner Sicht sinnvoll?“

Hier wird der Versuch unternommen, die Diskussion auf Nebenthemen oder persönliche niedere Motive abzulenken. Wer die Sache klar benennt und beim Thema hält, steigt eine Stufe auf der Disagreement-Leiter – zurück zur sachlichen Auseinandersetzung.

Leider gibt es so einige Teilnehmer an solchen Diskussionen, bei denen Versachlichungsversuche nicht funktionieren. Gerade diese Uneinsichtigen bestimmen dann schnell die Kommunikation und das Klima, wenn eine Moderation nicht eingreift. Daher ist es wichtig, dass die „Stufen der Argumentationsmethoden“ auch bindend sind und Konsequenzen mit Verstößen verbunden sind.

Moderation anhand des Modells konstruktiver Diskursführung

Das dargestellte Diagramm ist für die Anwendung oft hinreichend, hier sollen aber die Ebenen und Regeln beschreiben und noch besser greifbar werden.

Bewertet wird anhand einer Ampel:

Ampel: Grün = erwünscht, Gelb = toleriert (vorübergehend, schnell in Grün überführen), Rot = inakzeptabel (immer moderieren).

 

Hilfreiche, erwünschte Argumentation –  GRÜN

Grundsätzlich geht es in Diskursen meist um Sachthemen. Wenn es um Sachthemen geht, sollten persönliche und Personen betreffende Aussagen unterlassen werden.

 

1) Integrativer Vorschlag (grün – Lösungsorientierung) 

  • Definition: Aus den Kernargumenten beider Seiten wird eine integrative Lösung mit klaren Kriterien abgeleitet, mit konkreter fundierter Begründung warum diese eine gute Lösung für Alle ist.
  • Erkennungsmerkmale:  Alle Argumente und Sichtweisen sind berücksichtigt. Benennt auch: Was bleibt/ Was ändert sich.
  • Argumentationstechnik: Harvard-Konzept – Interessenbasiertes Verhandeln, https://de.wikipedia.org/wiki/Harvard-Konzept
  • Praxisbeispiel„A will mehr Reichweite durch provokative Aussagen, B will Vertrauen durch Seriosität. Synthese: Reichweite durch Teaser, Vertrauen durch belegten Haupttext. Was bleibt: pointierte Headlines. Was ändert sich: zweistufig – Social-Teaser mit klarer Factbox plus seriösem Langtext. Kriterien: Tonleitfaden, juristische Vorfreigabe, Paneltest ≥70 % „vertrauenswürdig.“
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Kriterien präzisieren, Gegenrisiken benennen, SMARTe Kriterien, verantwortliche Person + Review-Termin festlegen; Konsensierung auf den Vorschlag inkl. Kriterien anwenden.
  • Moderation: Aktiv anstoßen („Bitte Integrationsvorschlag: Was bleibt/ ändert sich, Verbesserung und Kriterien kurz benennen“). Fokus halten (Sachkern). Bei Stillstand: kurzer Synthese-Slot (3–5 Min.), dann Konsensmessung.

 

2) Widerlegung des zentralen Punktes (grün – höchste Qualität) 

  • Definition: Kernaussage korrekt paraphrasieren und mit Belegen widerlegen.
  • Erkennungsmerkmale„Dein Hauptpunkt lautet … – Beleg A/B zeigt … – Schlussfolgerung: …“.
  • Argumentationstechnik: Falsifikationismus,https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus
  • Beispiel„Du behauptest, Maßnahme X erhöht Y. Studie A (2024) zeigt …, daher …“
  • Praxisbeispiel:„Gegen das neue Umfragetool sprichst du DSGVO-Bedenken an. AVV liegt vor, Server in DE, Löschkonzept dokumentiert – die genannte Lücke existiert so nicht.“
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Quellenlink; Schlussfolgerung präzise; ggf. Synthese-Vorschlag.
  • Moderation: Paraphrase des Hauptpunkts einfordern („Verstanden: …?“). Belegpflicht (Quelle/Bezug). Fehlt Evidenz → gelb zurückstufen und Nachreichung verlangen.

 

3) Widerlegung 

  • Definition: Konkreten Fehler (Prämisse/Logik/Daten) nachweisbar aufzeigen; kein Personenbezug (außer Personal-TOP).
  • Erkennungsmerkmale: Fehler benannt → warum →
  • Argumentationstechnik: Fehlschluss/Logischer Fehlschluss, https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlschluss
  • Beispiel: „A⇒B gilt hier nicht, da C fehlt (vgl. …).“
  • Praxisbeispiel: „Die 7-Tage-Frist gilt nur für Beschlüsse (2.4.1.6), nicht für Arbeitsmeetings. Der Einwand trifft hier nicht.“
  • Verbesserungsmöglichkeit: Korrigierten Argumentpfad skizzieren.
  • Moderation: Fehlertyp benennen lassen (Prämisse/Logik/Daten) + Korrekturpfad kurz. Timebox 90 s; ohne Beleg → gelb und Nachreichung.

 

4) Gegenargument

  • Definition: Alternativargument zum selben Thema – belegt und relevant (kein Personenbezug, außer Personal ist Thema)
  • Erkennungsmerkmale: On-topic; Evidenz (Daten/Erfahrung/Regel) + Kriterium (Wirkung, Risiko, Kosten).
  • Argumentationstechnik: z.B. Kosten-Nutzen-Abwägung,https://de.wikipedia.org/wiki/Kosten-Nutzen-Analyse
  • Beispiel„Trotz günstiger X sprechen Folgekosten Y (Budget 2025) für Z.“
  • Praxisbeispiel Pressearbeit: „Ein Statement heute erzeugt Gegenwind; zwei Wochen später (neue Studie) können wir glaubwürdiger argumentieren. Ich plädiere für Verschiebung & stärkeren Frame.“
  • Verbesserungsmöglichkeit: Relevanzkriterium + Messgröße nennen.
  • Moderation: Relevanzkriterium (Wirkung/Kosten/Risiko) verlangen; Messgröße benennen. Bei reiner Meinung → gelb, Evidenz nachfordern; sonst zur Konsensierung bringen.

 

GELB – toleriert (vorübergehend), in Grün überführen

5) Widerspruch ohne Belege (gelb)

  • Definition: Subjektiver Widerspruch (Bauchgefühl), kurz, ohne Evidenz
  • Erkennungsmerkmale: „Ich sehe das anders, weil …“ (1–2 Sätze).
  • Argumentationstechnik: Beweislast, https://de.wikipedia.org/wiki/Beweislast, Aber auch Bauchgefühl kommt durch diese Ebene zum Ausdruck.
  • Beispiel„Der Slogan wirkt auf mich zu kompliziert.”
  • Praxisbeispiel„Mein Eindruck: Der Teaser ist zu provokant.”
  • Verbesserungsmöglichkeit: Evidenz nachreichen; in grün (Widerlegung/Gegenargument) überführen.
  • Moderation: Evidenz nachreichen lassen; parken (Parking-Lot) bis Nachweis da; Timebox 60–90 s; danach in grün überführen oder schließen.

 

ROT – inakzeptabel (immer zu moderieren)

Grundsatz: Rot ist Störung, nicht Diskussionsstil. Vorgehen: Ordnungsruf → bei Wiederholung Redeentzug/ temporärer Ausschluss → protokollieren.

Sachbezug: In Sachdiskussionen sind personenbezogene Behauptungen/Verdächtigungen nie grün – auch mit Belegen. Ausnahme: Es geht explizit um die Person (Personal-TOP/Compliance). Dann gelten Fairness, Datenschutz und das dafür vorgesehene Verfahren.

 

6) Argumente ignorieren / Wiederholung 

  • Definition: Belege/Einwände werden ignoriert; widerlegte Punkte wiederholt.
  • Argumentationstechnik: Ignoratio elenchi, https://de.wikipedia.org/wiki/Ignoratio_elenchi
  • Erkennungsmerkmale: Keine Bezugnahme auf geklärte Punkte, Protokoll/Antwort.
  • Beispiel„Trotz Klärung eben bleibe ich dabei (ohne Neues).“
  • Praxisbeispiel: „Das haben wir noch gar nicht besprochen“ (obwohl beschlossen).
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Bezug herstellen oder neue Evidenz liefern; sonst schließen.
  • Moderation: Verweis auf Beschluss/Protokoll; Schließung; Wiederaufnahme nur bei neuer Evidenz.

 

7) Bedeutung überhöhen/herabspielen

  • Definition:Wichtigkeit verzerren ohne Relevanzbegründung. Bis hin zu Skandalisierung.
  • Argumentationstechnik:Überhöhung: Alarmismus, https://de.wikipedia.org/wiki/Alarmismus ,
    False Balance, https://de.wikipedia.org/wiki/False_Balance ,
    Herabspielen: Bagatellisierung, https://de.wikipedia.org/wiki/Bagatellisierung , Trivialisierung, https://de.wikipedia.org/wiki/Trivialisierung ,
    Cherry Picking, https://de.wikipedia.org/wiki/Cherry_Picking
  • Erkennungsmerkmale:Themenfokus verschoben. Aufblähen von Nebensächlichkeiten („Skandal!“), Dramatisieren von Worst-Case, oder Kleinreden substantieller Risiken ohne Relevanzbegründung/Kriterien.
  • Beispiel:„Weil X einen Fehler gemacht hat, ist Y zusammengebrochen“.
  • Praxisbeispiel:„Die 10 % Gegenstimmen sind vernachlässigbar” (ohne Folgenanalyse).
  • Verbesserungsmöglichkeiten:Relevanz mit Kriterium/Wirkung belegen. vollständige Evidenz statt Einzelbeispiele; ggf.  Priorisierungsmatrix.
  • Moderation: Relevanzkriterium und Messgröße verlangen (Kriterium, Wirkung, Risiko, Quorum), Ohne Kriterium → Bei Beharren →schließen.

 

8) (Absichtliches) Missverstehen / Strohmann

  • Definition: Aussage verdrehen, dann die Verdrehung angreifen.
  • Argumentationstechnik: Strohmann Argument, https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument
  • Erkennungsmerkmale: Falsche Paraphrase, kein Zitat.
  • Beispiel: „Du willst Bürgerbeteiligung abschaffen!”
  • Praxisbeispiel: Aus „Teaser entschärfen” wird „Du willst Reichweite verbieten”.
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Erst korrekt paraphrasieren (Stahlmann), dann entkräften.
  • Moderation:korrekte Paraphrase einfordern (nach Stahlmann:  „Formuliere die beste Version der Gegenseite“); Wiederholung →

 

9) Kritik am Sprachstil statt am Inhalt

  • Definition: Form/Ton statt Sache – ohne Argument.
  • Argumentationstechnik: Tone Policing, https://en.wikipedia.org/wiki/Tone_policing
  • Erkennungsmerkmale„Zu hart/zu weich/zu lang“, Tippfehler, Sprache, ohne Sachbezug.
  • Beispiel„Lernen Sie erst mal Rechtschreibung, bevor ich Ihre Nachricht ernst nehme.”
  • Praxisbeispiel„Ihre Aussage ist zu akademisch, mehr muss ich nicht sagen.”
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Sachkern adressieren; Stilhinweis kurz.
  • Moderation: Auf Sache zurückführen; Stilhinweis max. 1 Satz erlauben. Bei Fortsetzung ohne Sachkern →nicht zulassen, Timebox, ggf. Redeentzug.

 

10) Whataboutism

  • Definition: Ablenkung: „Was ist mit …?“ statt Klärung. Thema wechseln statt klären.
  • Argumentationstechnik: Whataboutism, https://de.wikipedia.org/wiki/Whataboutism
  • Erkennungsmerkmale„Was ist mit …?“, Themenhopping, Endlosschleifen von Diskussion.
  • Beispiel„Bevor wir Budget X klären, reden wir über den Vorfall von 2021 …”
  • Praxisbeispiel: „Diskussionsteilnehmer F hat letztes Jahr eine falsche Buchung gemacht. Er soll sich dazu erklären.“ (z.B. wiederholte unbelegte Behauptung, Wiederaufnahme abgearbeitete Diskussion, künstlich Personenbezug herstellen, um Diskussionsbeitrag der Person zu diskreditieren, …)
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Relevanz belegen oder separaten Termin ansetzen.
  • Moderation: Beim aktuellen Punkt bleiben; Alternativthema terminieren (eigenes Ticket/Agenda-Slot). Wiederholte Ablenkung →Redezeitlimit, ggf. Redeentzug.

 

11) Unbelegte/falsche Behauptungen, Verdächtigungen

  • Definition: Behauptungen ohne Beleg, Erfindungen, Verdächtigungen ohne Beleg, konstruierte Scheinwelt, künstlich geschaffene Filterblasen, bis hin zu Gaslighting.
  • Argumentationstechnik:Techniken der Propaganda & Manipulation, https://de.wikipedia.org/wiki/Techniken_der_Propaganda_und_Manipulation; Gestaltete Realitätswahrnehmung in sozialen Medien https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/PMC11336507/ Gaslighting, https://de.wikipedia.org/wiki/Gaslighting
  • Erkennungsmerkmale:Behauptungen, Andeutungen, „Man weiß doch …“
  • Beispiel:„Die Umfrage wurde manipuliert.”, „Hat XY Zahlungen dafür erhalten?“
  • Praxisbeispiel:„Der Vorstand steckt mit XY unter einer Decke.”
  • Verbesserungsmöglichkeiten:Belegpflicht, Fakten/Quellen; ohne Evidenz nicht entscheidungsrelevant.
  • Moderation: Belegpflicht, Nichtzulassung bei fehlender Evidenz. Bei relevantem Argument Parking-Lot. Bei Wiederholung → Redezeit begrenzen/temporär ausschließen.Personenbezug im Sachkontext nicht zugelassen.
  • Zusatzhinweis: Auch Fragen können juristisch als behauptete Tatsache zu werten sein, sofern sie unwahre, rufschädigende Umstände insinuieren (vgl. BGH Urt. v. 09.12.2003 – VI ZR 38/03, sowie VI ZR 250/13)

 

12) Niedere Motive unterstellen

  • Definition: Absicht/Motive zuschreiben ohne Evidenz. Auch Täter-Opfer-Umkehr.
  • Argumentationstechnik:
    DARVO, https://www.jjfreyd.com/darvo, Appeal to motive, https://en.wikipedia.org/wiki/Appeal_to_motive
  • Erkennungsmerkmale:„Du willst doch nur …“, „Ihr seid gekauft …“.
  • Beispiel„Du blockierst aus Karrieregründen.”
  • Praxisbeispiel„Ihr kritisiert, um XY zu schaden.”
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Nur sichtbares Verhalten/Daten bewerten (konkrete, objektiv nachvollziehbare Beobachtung); Motive offen lassen.
  • Moderation: Unterlassen einfordern; nur Sachargumente zulassen. Personenbezug nur im Personal-TOP/Verfahren →auslagern oder wenn relevant nur verhaltensbasierte Punkte zulassen. Wiederholung → Redeentzug/Temporärer Ausschluss.

 

13) Ad hominem

  • Definition: Angriff auf Person/Autorität statt Argumente.
  • Argumentationstechnik: Argumentum ad hominem, https://de.wikipedia.org/wiki/Argumentum_ad_hominem
  • Erkennungsmerkmale: Abwertung der Person/Lebenslauf/Gesinnung.
  • Beispiel„Von dir nehme ich nichts an, du bist …”
  • Praxisbeispiel„Mit deiner Vita und fehlender Intelligenz kannst du das nicht beurteilen.”
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Nur Inhalte beurteilen.
  • Moderation: Unterlassen einfordern; nur verhaltensbasierte Punkte zulassen. Personenbezug → Wiederholung →Redeentzug/Temporärer Ausschluss.

 

14) Beschimpfung/Herabwürdigung

  • Definition: Beleidigungen, Diffamierung, Entmenschlichung, Herabwürdigung (Angreifen der Würde).
  • Argumentationstechnik: Propaganda-/ Manipulationstechniken – „Name-Calling“,https://de.wikipedia.org/wiki/Techniken_der_Propaganda_und_Manipulation
  • Erkennungsmerkmale„Halt die Klappe, du … (Idiot, …)“; abwertende Labels.
  • Beispiel„Idiot”, „Spinner”, „krank”.
  • Praxisbeispiel:  „X ist ein krankes Gürteltier.“ (auch Entmenschlichung)
  • Verbesserungsmöglichkeiten: Unterlassen, moderieren
  • Moderation: Sofort stoppen; klare Ansage „Nur Inhalte, keine Personen“. Wiederholung →Sitzungsausschluss(temporär), Protokollvermerk.